Lebensmittel online – das kommt sicher!

So sicher wie das Amen in der Kirche. Nicht zuletzt arbeitet Rewe noch bis Ende 2011 an mehreren möglichen Lösungen (u.A. Drive-In) für den Vertrieb von Lebensmitteln über das Internet. Offen stehen die Varianten welche der Lebensmittel-Händler in Deutschland testen wird. Ziel ist es zumindest, eine große Gesamt-Abwicklung aufzuziehen.

In den Folgejahren ab 2000 war der Online-Einkauf ebenso ein neues Gebiet und für die meisten Internet-Normalsurfer leise Musik. Doch in meinem Freundeskreis gibt es mitlerweile auch viele welche regelmäßig online bestellen. Ich selbst kaufe ausschließlich online ein, die Gründe dafür sind offensichtlich: Preisvergleich, Haustür-Lieferung sowie immer 14 tägiges Rückgaberecht nach dem deutschen Gesetz.

Doch wie muss es sich für schnell verderbliche Ware verhalten? Fakt ist, dass man Lebensmittel möglichst frisch beziehen möchte. Hinzu kommt, dass Nahrung unmittelbar vor ihrem Verbrauch beschafft wird. Hier liegen meiner Meinung nach die Hauptprobleme. Selbst bei einer Lieferzeit von max. 1-2 Tagen (innerhalb ganz Deutschland) muss ich als Kunde vorausschauend Planen und rechtzeitig online bestellen! Hinzu kommt das Lust-Kaufen, ist es so attraktiv wie im gut sortierten Supermarkt?

Zweiter wichtiger Punkt ist die unbeschädigte Lieferung aller Produkte, der Versandhändler kann keinen guten Preis anbieten, wenn er jede 10er Eierschachtel auch noch mit Styropor ummanteln muss. Bereits durch das Eigengewicht kann der Fall aus einem Meter Höhe schlecht für das Ei ausgehen, ganz abgesehen von anderen Erschütterungen und Drehungen durch den Transport. Ähnlich verhält es sich mit Essen welches ungekühlt keine zwei Tage überlebt (Mehrkosten). Es wird klar, dass hier eine entsprechende Technik / Technologie verwendet werden muss um den erfolgreichen Transport von Lebensmittel sicher zu stellen.

Nummer Drei: Aber kann ich dann trockenes Brot, Fleisch mit Ebergeschmack (Schweinefleisch schmeckt extrem nach Schwein) oder bei angefaultem Obst reklamieren? An der Kasse vor Ort oder meist auch im Nachhinein geht das. Ideal wäre eine Gutschrift auf Vertrauensbasis, was sich natürlich nicht realisieren lässt. Vielleicht ist eine Beweisvorlage via Fotos oder Video möglich? Vielleicht müssen mindestens 10 Freunde auf Facebook für den einen bürgen? Bei nachweislich falschem Verhalten (Betrug) gibt es eine Buse bzw. wird diese Person als Kunde ausgeschlossen? Muss ich meine Personalausweis-ID beim Kauf mit angeben? Diese Ideen sind bewusst weit her geholt. Aktuell ist eine Rückgabe nicht möglich.

All das sind Probleme (und noch weitere ungenannte) welche man nicht effektiv lösen kann, wichtig ist viel mehr der Test dieses Versuchs online Lebensmittel an den Mann zu bringen. Ist der Händler flexibel, ergeben sich mittel- und langfristig automatisch an den Prozess angepasste Lösungen für jegliche Probleme. Ein großes Risiko und Aufwand, dadurch hat er aber den Vorteil / Möglichkeit die Nr. 1 von zwei oder drei BIG-Playern zu besetzen.

In diesem Zug darf man natürlich Amazon nicht ungenannt lassen. Der wohl größte Online-Versandhändler ist im Juli 2010 bereits in dieses Markt-Segment eingestiegen. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte diesen erst kürzlich abgemahnt, da Amazon nicht entsprechende Inhaltsstoffe wie Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker gekennzeichnet hat. Der Kunde muss vor Vertragsabschluss über etwaige Stoffe bei Nahrungsmittel informiert sein. Doch das sind Kinderkrankheiten, welche ausgeräumt werden müssen.

Das Problem ist bei Amazon, dass dieser sich etwas übernimmt. Sehr frische Produkte werden von rund 60 externen Dienstleistern abgedeckt, viele Produkte sind im Schnitt teurer als im herkömmlichen Supermarkt. Wie ein kleiner Hype sind die Zugriffszahlen durch die Medien in die Höhe geschnellt und wieder gefallen. Hauptunterschied zwischen Rewe und Amazon ist, dass Rewe ein einschlägiger Händler mit ganz anderen Möglichkeiten ist, er ist spezialisiert!

Die Lieferung der Waren erfolgt über Amazons üblichen Service. Beim normalen Versand ist die Lieferung ab einem Warenwert von 20 Euro kostenlos. In Frankfurt und Berlin liefert Amazon auch noch am selben Abend, sofern die Bestellung bis 11 Uhr eingegangen ist.

Zu Zeiten der Dot-Com-Ära um das Jahr 2000 war eine ganze Reihe von Internet-Pionieren mit Online-Lebensmittelläden an den Start gegangen. Die meisten Projekte hatten allerdings nicht lange überlebt. Inzwischen seien die Voraussetzungen für einen Erfolg ganz andere, sagte Bubenheim. So sei schon allein die Versorgung mit schnellen Internet-Verbindungen viel besser. Und die Waren könne man heute auch attraktiver mit Bildern darstellen. (Quelle heise.de)

Drei Netz-Magazine haben den Versand getestet (test.de, zeit.de, sputnik.de):

  • unübersichtlich (klar, die Supermarktketten optimieren seit Jahren ihren lokalen Verkauf von Lebensmitteln)
  • lückenhaftes Sortiment
  • hohe Versandkosten aufgrund der externen Anbieter (Amazon Marketplace, nur ab 20 Euro kostenfrei wenn man Produkte bestellt, welche ausschließlich bei Amazon lagern)
  • kein Rückgaberecht (nicht Kundenfreundlich)
  • noch ineffiziente Verpackung / Logistik
  • Deutschlands Inseln sind ausgenommen

Eine kleine Auswahl der Kritikpunnkte zeigt sehr schön die von mir bereits erwähnten Problematiken weiter oben. Wie Sputnik getestet hatte, ist der Spezialist lebensmittel.de mit Abstand weiter vorne was Sortiment und Versandkosten angeht, die 4,90 Euro kann man akzeptieren.

Fazit:

Rewe hat in meinen Augen gute Möglichkeiten, doch wird es ein Kraftakt sein dem Kunden das Online-Food-Ordering schmackhaft zu machen, es wird dauern. Wichtig ist Durchhaltevermögen und neue Produktpräsentationen aus dem E-Commerce. Ein kleiner Film mit den Angeboten des Tages, natürlich zum direkt draufklicken. Wenn man energisch und standhaft optimiert kann der durchsatzstärkste Markt (aber nicht im Sturm) online erobert werden. Es ist richtig, dass sich der Lebensmittelhändler Rewe Zeit gelassen hat, die große Masse kommt nur sehr träge in die Gänge, das Internet ist erst seit wenigen Jahren immer mehr im Mittelpunkt, das vergessen viele Early-Adopters und Pioniere / Experten.

Sehr schön kann man den E-Commerce Trend und Probleme auf excitingcommerce.de verfolgen. In dem eigenen Beitrag zum Vorhaben von Rewe gibt es einen guten Kommentar:

1. Struktur
Rewe wie auch der Ehemalige Kolonialwarenhandel Edeka sind nicht die Besitzer der Märkte. Wollen diese denen also Konkurrenz machen bzw. Ihnen Arbeit aufbürden so pfeift hier bestimmt der gleiche Gegenwind wie auch einer MediaSaturn Holding entgegen.

2. Marge
Wenn der Gewinn an einer Butter im einstelligen Bereich liegt, sofern vorhanden, und dies beim Brot, der Milch und auch dem Zucker nicht viel anders ist, so fragt man sich wieso die Märkte noch leben. Der Grund hierfür liegt im Sortiment, vor allem dem Non-Food Bereich der Märkte welcher diesen das Überleben sichert sowie den Spontankäufen der Kundschaft die dann mal nicht auf den Preis schielt. Die Grundnahrungsmittel werden im Netz auch nicht viel Teurer werden wie im Laden und eine große Grundlast des Handelns stellen. Die Non-Food ecke wird dann aber dramatisch einbrechen da diese enorme Konkurrenz online hat und Spontankäufe im Netz gibt es kaum. Vor allem da man hier den Laden nicht alle 2-4 Wochen neu bestücken kann damit die Leute neue Gänge gehen und neue Produkte sehen. Zwar kann ein Edeka oder Rewe einen Verlust verkraften – aber auch nur bestimmte Zeit und in Maßen und ob die strategische Kraft und der Mut den Eigentümern gegenüber ausreicht wird sich zeigen.

3. Juristische
Der Aufwand das rechtlich sauber abzuwickeln ist enorm. Zum einen wird die Abgrenzung der Waren mit bzw. ohne Widerrufs- bzw. Rückgaberecht klar dargestellt werden (so kann eine Flasche Saft nicht so einfach mit Verweis auf Lebensmittel verweigert werden, eine Flasche Milch aber schon) und auch jeweils das Prozesshandling funktionieren (und genau da kommen die Kostenblöcke im E-Commerce-Sektor her!). Zum anderen müssen die Produkte juristisch sauber angeboten werden. Es müssen also im Angebotstext exakt alle Inhaltsstoffe aufgeführt werden die unter die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung fallen und zwar so das auch Kunde K der im Laden L bestellt die Ihm zu liefernder Kennzeichnung sieht (nicht selten wird dies von Lieferanten still umgestellt). Also wenn z.B.: FruttiSaftDrink zuerst Beta Carotin hernimmt, dann auf E123 und Rewe in V Märkten Variante 1 und in (1-V) Märkten die Variante 2 hat, so muss dies dem Kunden dennoch korrekt angezeigt werden!
Auch das Thema MHD wird spannend. So muss dieses auch im Vorfeld des Kaufes bekannt gegeben werden sofern es sich nicht exakt im “üblichen Rahmen” bewegt. Was der “übliche Rahmen” ist, hierauf wird es mit Sicherheit interessante juristische Auseinandersetzungen geben welche von nicht E-Commerce Mitbewerbern liebend gerne angestossen werden. Zumindest Edeka hat es bis heute noch nicht geschafft seinen juristischen Pflichten nachzukommen.

(Quelle: excitingcommerce.de, Autor: K.B.)

13 thoughts on “Lebensmittel online – das kommt sicher!

  1. Michael Post author

    Es ist nur noch eine Frage der Zeit (wenige Jahre) bis meiner Meinung nach das Online-Shopping für Lebensmittel in Grundzügen etabliert sein wird.

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  2. epiguh

    Bei uns in der Schweiz gibt dank unseren 2 Grossverteilern MIGROS und Coop schon zwei Onlineshops mit Lebensmitteln.

    War mir nicht bewusst, dass dieses Geschäft in Deutschland noch so jung ist. Natürlich ist die Schweiz auch schön klein und die Anfahrtswege für die Ware bleiben kurz.

    Bin selber seit September 2006 Kunde von leshop (Portal der MIGROS). Die Zustellung erfolgt bei uns mit der Post und die Bestellung wird bei Bestellung vor MItternacht am Folgetag abends geliefert.

    Bis jetzt habe ich sehr positive Erfahrungen gemacht und auch die Ware ist oft noch frischer als in der MIGROS Filiale direkt.

    Versandkosten sind bei regelmässigen Bestellungen bei CHF 7.90 (entspricht momentan ca. EUR 6).

    Falls jemand lust hat, soll er gerne mal auf die Website http://www.leshop.ch reinschauen, damit man eine Vorstellung hat wie so ein Onlineshop in der Schweiz ausschaut.

    Finde jedenfalls leshop.ch sehr bedienerfreundlich und praktisch. Mit einer Iphone App geht das Einkaufen sogar noch schneller, da nur 1mal der ganze Shop synchronisiert werden muss und dann alle Artikel samt Preisen sehr einfach zu finden sind.

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  3. Ingo

    Ich bin unheimlich gespannt auf die zukünftige Entwicklung und freue mich ehrlich gesagt schon auf die verschiedenen Wege, mit denen man bald einkaufen kann. Ich wäre jedenfalls ein potenzieller Kunde, da mir die Bequemlichkeit bei Einkäufen sehr wichtig ist und ich den Einkauf von Zuhause gerne testen würde.

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  4. Michael Post author

    Das ist interessant, man sieht hier schon, dass diese Dienste besser optimierter sind.

    In Deutschland gibt es praktisch noch keine Umsetzung welche von einem Teil der Bevölkerung als Lösung in betracht gezogen wird.

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  5. Walter

    Also ich bin ja einer der wirklich (fast) alles online einkauft. Von Klamotten, über Technik bis hin zum Bier. Aber Lebensmittel? Ne da gehe ich wirklich noch in den Supermarkt

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  6. Rosa

    Ich muss sagen, dass ich mir am Wochenende in aller Ruhe die ganzen Werbeblätter der Supermärkte und Discounter durchlese und die Preise vergleiche. Ich lebe zwar nicht von der Hand in den Mund, aber man muss auch nicht unbedingt mit seinem Geld um sich schmeißen. Preise vergleichen lohnt sich oft und rentiert sich. Tipp: Einfdach das Gesparte in die Reisekasse für den nächsten Urlaub schmeißen :)

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  7. Bernhard

    In der aktuellen Diskussion, wird davon ausgegangen, den gesamten Einkauf über das Internet abzudecken. Dabei wird jedoch übersehen, dass es derzeit eine ganze Reihe an Shops gibt, die es verbrauchern ermöglichen, Spezialitäten zu beziehen, zu denen man sonst nur schwer Zugang hätten. z.B. bestimmte regionale Olivenölsorten. Bis der wöchtentlich Großeinkauf über das Internet abgewickelt werden kann, wird wohl – aufgrund hoher Versandkosten und beschränkter Sortimente – noch eine Weile vergehen. Auf den Vorstoß von REWE bin ich auch bereits gespannt.

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  8. Nadine

    Online Lebensmittel einkaufen? Für mich teilweise sehr schwer vorstellbar … die Menschen werden einfach immer bequemer und kommen auf die komischten Ideen.

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  9. Felix

    Also wer das Internet nicht für den Vertrieb nutzt in der heutigen Zeit, der ist doch selbst schuld. Heute muss jede Branche im Internet in irgendeiner Form tätig sein. Rewe ist da schon auf dem richtigen Weg.

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  10. Lebensmittel online kommt

    Bin gleicher Meinung. Das bestellen im Internet von Lebensmitteln wird auf jeden Fall in Zukunft zunehmen. Ich selbst habs getestet und bin begeistert. kann ich nur mal empfehlen.
    lg Jenny

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  11. BobbyMcG

    Ist wirklich der Hammer, was heute alles an Nahrungsmitteln über’s Internet bestellt werden kann. Ich persönlich würde aber keine Frischen Produkte kaufen, das ist mir echt zu unheimlich. So etwas kaufe ich nur auf dem Markt.

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  12. Kathryn Dolling

    Ich hab selber vor einigen Jahren bereits bei lebensmittel.de bestellt (hießen vorher doit24), auch frische Lebensmittel wie Fleisch, Obst und MoPro-Produkte. War alles top, ich würde das jederzeit wieder machen!

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