sueddeutsche.de – die goldenen mobile News (Update)

Aufgrund von Missverständissen, wurde der Artikel abgeändert (weiter unten als Review zu finden).

Die ganze Geschichte, was und warum gibt es direkt nach der Trennlinie.


Am 13.01.10 gab es eine Ausschreibung bei Trigami, das ist ein Werbevermittler zwischen Blogger und Unternehmen. Dieses Ausschreiben zielte darauf ab, einen bezahlten Blogpost im reinen Werbeformat zu veröffentlichen. In einer Werbung wird ein Produkt oder eine Dienstleistung positiv präsentiert, egal auf welchem Medium.

Am 15.01.10 habe ich mich dafür beworben und wurde auch gleich angenommen. Noch am Abend habe ich den Artikel geschrieben und mit eigenen Bildern untermalt veröffentlicht. Samstag und Sonntag ist wohl niemand im internet online gewesen, so dass ich Montag Morgen (18.01.10, 7:11 Uhr) eine E-Mail mit dem Hinweis auf einen neuen Backlink zu meinem Artikel bekommen habe. Hinter der Verlinkung stand der kritische Bericht von Jan Tißler welcher für das Upload-Magazin schreibt.

Daraufhin habe ich zwei Kommentare verfasst:

1. 7:40 Uhr – Das hast du gut erkannt, dass es sich bei Werbung meist um eine Präsentation von etwas im positiven Sinne handelt. Dass Trigami eine weitere Werbe-Form für Blogger wie Google Adsense ist, sollte jedem regelmäßigen Blog-Leser bekannt sein. Ich gehe stark davon aus, dass man die Kennzeichnung welche jeder Beitrag am Anfang hat nicht übersehen kann und somit weiß, welcher Beitrag über Trigami gelaufen ist. Siehe auch noch genau im Kontext (genauer: Selbstdarstellung der SZ): …Süddetusche Zeitung versteht sich selbst als Qualitäts-Jounalismus…

Aber in diesem Kommentar soll es nicht darum gehen, dass ich mich irgendwie für etwas rechtfertigen muss. Vielmehr möchte ich etwas gegen die negative Darstellung der Blogger gehen.
Auf der anderen Seite bietet sich eine Plattform wie Trigami als (ob gut oder böse…) Einstiegsform für “virales” Marketing im Web 2.0 bereich, gerade für große Firmen. Denn oft wissen die nicht wo sie anfangen sollen.Meiner Meinung nach, wäre es tatsächlich passender gewesen, wenn man das Ganze unter einem Review betrieben hätte. Doch auch der Verantwortliche in dieser Firma hat sich seine Überlegungen gemacht…

2. 10:17 Uhr – Also ihr solltet alle nicht vergessen, dass hier unterschieden wird. Die bezahlte Berichterstattung wie sie die SZ in dieser Kampagne wünscht ist eine reine Werbung (der Auftrag zwischen Blogger und SZ liegt dem zu grunde).
Anders ist es bei einer Berichterstattung bzw einem Test, bei dem sehr wohl die freie Meinung und das Urteil erwünscht ist (auch bei Aufträgen über Trigami).
Doch generell stimmt es, dass der Leser hier nicht wirklich unterschieden kann, ob es sich um eine reine Werbung oder eine subjektive Berichterstattung geht. Doch ich unterestelle mal, dass man bei aufmerksamen Lesen der Artikel merkt, worum es hier geht…

Ganz unerwartet erreichte mich um 10:23 Uhr eine E-Mail von Henning Steier (Redakteur für 20 Minuten Online / Schweiz) in welcher er mich um meine Meinung zu dem Beitrag des Upload-Magazins fragte. Meine Antwort waren meine beiden genannten Kommentare zusammengefasst.

Um genau 10:57 Uhr wurde mein Auftrag von Trigami bestätigt und honoriert.
Um 10:59 wurde auf 20min.ch der Artikel zu der ganzen Aktion veröffentlicht.

Direkt um 11:42 Uhr hat die zuständige Marketing-Stelle bezug zu der ganzen Kampagne genommen.
Um 12:57 Uhr hatte auch die Spitze von Trigami davon Wind bekommen und Stellung bezogen.

Etwa 13:20 Uhr, in einem eigens verfassten Artikel hat Trigami den Sachverhalt aus ihrer Sicht klar gestellt. Außerdem ist dann eine Rückrufaktion gestartet worden, in welcher alle Teilnehmer dieser Kampagne darauf hingewisen wurden, dass keine positive Ausformulierung nötig sei und die Aktion in ein Review (schilderung des Sachverhaltes zu einer Leistung durch die eigene Meinung) gewandelt wurde. Trigami nimmt die volle Verantwortung auf sich und gesteht einen Fehler aus verschiedenen Gründen begangen zu haben.

Um 14:28 Uhr wurden die Werbe-Teilnehmer von Trigami darüber informiert, dass es Fehler bei dieser Kampagne gab und wie man weiter vorgehen kann, es wurde jedoch nachträglich frei gestellt, einen bestehenden Artikel zu ändern oder zu löschen.

+ + + kurze Reflektion + + +

Doch wie ist es in so kurzer Zeit dazu gekommen, dass sich ein Geschäftsführer und ein Senior Product Manager für etwas entschuldigen bzw. richtig stellen? Wegen einem Blog? Hier beginnt meiner Meinung nach die Magie, welche sich in den letzten Jahre, nicht zuletzt durch Dienste wie Twitter und schlechte bis gute (oder gute bist schlechte) Hobby-Journalisten wie mich und deren Blogs gefestigt hat.

Bei dem Blog, welcher den Stein ins Rollen gebracht hat, handelt es sich nicht um eine renommierte News-Plattform. Vielmehr ein gut bekannter Web-Blog mit einem Rückrat von mehreren Mitstreitern. Was ist es dann? Meiner Meinung nach der Domino- bzw Netzwerkeffekt welche hier die treibende Kraft ist. Sehr schön ist dieser auf Rivva zu erkennen ist, dass sich die Meldung und Meinungen wie ein Lauffeuer (seit ca. 10 Uhr) verbreitet hat. Doch auch bereits die Internet World Business hat es als Top-Meldung (Bild) aufgenommen. Siehe auch heise.de … das binnen 10 Stunden etwa.

Schaut man öfters auf den soeben genannten Dienst, so erkennt man schnell, dass die Meldung noch von einer Ecke in die andere katapultiert wird. Es bleibt ab zu warten, ob es sich hierbei wirklich um einen Schaden für die SZ (Image-Schädigung?) und/oder für Trigami (Kundenvertrauen geschädigt?) handelt, oder ob nicht einfach nur der geile Medien-Wolf alá Web 2.0 was zum fressen gefunden hat.

Für mich eine interesante Erfahrung und man ist mehr mitten drin als nur dabei.

Jetzt folgt der Review zur iPhone Application, der alte ursprüngliche Beitrag ist als PNG zum Download zu haben.


Seit Dezember 2009 gibt es die kostenpflichtige Anwendung “sueddeutsche.de Gold”. Dabei handelt es sich um ein online Angebot der Süddeutschen Zeitung als Nachrichtendienst für das iPhone oder den iPod Touch, mit einer Dienstleistung von 30 Kalendertagen. Preislich liegt die Application bei 1,59 Euro in iTunes und gilt ab Kauftag für den genannten Zeitraum.

Man muss jedoch bei der Suche im App-Store aufpassen, sucht man anstelle dem ungewohnten “sueddeutsche.de” nach “süddeutsche.de”, so bekommt man derzeit nur die kostenlose Version als Ergebnis geliefert.

Die Süddeutsche Zeitung versteht sich selbst als Qualitäts-Jounalismus der heutigen Zeit und möchte mit diesem Angebot den mobilen Markt erschließen.

Im Unterschied zur kostenfreien Version, gibt es keine Werbeanzeigen. Diese erscheinen beim Öffnen (mit Wartezeit) der Anwendung sowie in Form von Bannern in den Artikeln. Außerdem ist die Download-Funnktion nicht vorhanden, sprich man kann keine Artikel und Bilder offline gespeichert lassen. Schön ist, dass man die Offline-Version auch manuell löschen kann. In den Einstellungen entscheidet man dann auch, ob man ausschließlich die Offline-Version oder Online-Version lesen will.

Eine Aktualisierung mit allen Bildern und auch den Bildergallerien dauert einige Minuten, je nach Anbindung. Eine Aktualisierung der Artikel und Bilder nach einer Stunde funktioniert dagegen in einigen Sekunden.

Darüber hinaus, kann man jeden Artikel via Facebook und Twitter verbreiten. Dazu kann man in den Einstellungen seine Zugangsdaten hinterlegen. Um bei brandaktuellen Meldungen informiert zu sein, ist die Benutzung der Push Funktion möglich. Das bedeutet, dass bei Ankunft einer Meldung zu einem selbst ausgewählten Themenbereich, eine Art PopUp auf dem Gerät erscheint. Dieses PopUp verweist dann darauf, dass diese Meldung eingetroffen ist und ob man sich diese durchlesen möchte.

Die Steuerung zwischen den Meldungen und Kategorien ist intuitiv und einfach. Schön ist, dass geöffnete Artikel solange man sich innerhalb der Anwendung bewegt, geöffnet bleiben. Ein paar Eindrücke kann man sich durch die folgenden Fotos machen:

6 thoughts on “sueddeutsche.de – die goldenen mobile News (Update)

  1. Florian Lerch

    Ich halte die Download Funktion für das entscheidende Feature. Es müsste nurnoch automatisch funktionieren, so dass man morgens wenn man aus dem Haus geht, gleich eine ganze Zeitung mit dabei hat.

    Reply
  2. Michael Post author

    Da bin ich auch deiner Meinung, leider lässt sich das vielleicht nicht realisieren. Denn dazu muss ein Prozess zu dieser Applikation in der Früh angestoßen werden, bzw muss dieser 24h durchlaufen um in der Früh den Download anzustoßen.

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  3. Pingback: » Peinlich, peinlich: "Süddeutsche Zeitung" kauft sich lobende Blogposts [UPLOAD Blog]

  4. haNfsAmen

    Michael, das wäre gar kein Problem? Die meiste Leute sind ohnehin ständig online mit ihren Handys. Die Artikel sollen dann nur automatisch gepusht werden jeden Morgen. Technisch soll das möglich sein. Diese Eigenschaft wäre auch für mich sehr wichtig.

    Reply
  5. Pingback: Blogsöldners: Resurrection | between drafts

  6. Pingback: » Peinlich, peinlich: „Süddeutsche Zeitung“ kauft sich lobende Blogposts (Update) « Stadtgespräch – Public Relations DPRG

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