Abmahnung und Abzocke in einem

Ich habe nicht schlecht gestaunt, also ich einen Brief in meinen Händen Halte mit dem Kürzel RA für Rechtsanwalt in der Absenderadresse. Mir wird die unerlaubte Benutzung eines urheberrechtlich geschützten Bildes vorgeworfen. In ganzen ein und halb Seiten wird mir erklärt warum, wieso und weshalb.

Die Gang (der Hobbyverein dieser Studierten) arbeitet für eine Agentur welche wiederum angeblich die Rechte an der Vertretung des eigentlichen Künstlers besitzt. Höchst wahrscheinlich operiert man ohne jegliche in Kenntnis Setzung des Autors mit solchen Abmahnungen. Auffallen ist, dass mir in meinem Schreiben die Wichtigkeit und Bekanntheit des Künstlers deutlich offengelegt wird. Zudem wird nahe gelegt, die Nutzungszeit herauszufinden und die beigefügte Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Ganz Professionell liegt auch eine Vollmachtserklärung der Agentur (nicht des Künstlers) bei.

Jeder der noch nie in einem derartigen Konflikt stand, ist erstmal überrannt und möchte zum Minimieren des Schadens den “Anwälten” entgegen kommen. Doch genau das ist das Fangnetz, denn in der Unterlassungserklärung steht folgendes in Klauseln neben dem Verzicht auf eine Wiederholungstat (welche mind. 5001 Euro beträgt damit diese einklagbar ist):

  • Der Erklärende erteilt Auskunft über die einzelnen Werke von <Künstlername>, die er in den vergangenen 10 Jahren in vorgeschriebener Weise Dritten zugänglich gemacht hat unter Benennung der einzelnen Motive (mit Belegexemplar).
  • Der Erklärende verpflichtet sich, der Erklärungsempfängerin (also der Agentur, da der Künstler ein Mann ist) allen Schaden zu erstatten, der dieser durch die unten vorstehenden Ziffern bezeichneten Handlungen entstanden ist und künftig noch entstehen wird.

Über die Rechtsschutzversicherung meiner Eltern konnte ich aus Kulanz zwei Telefonate mit einem entsprechenden richtigen Anwalt führen. Der ist fast aus allen Wolken gefallen als er den zweiten Punkt gehört hat. Was ich gemacht habe: Unterlassungserklärung unterschrieben und diese beiden Punkte ausgeblendet bzw. gestrichen. Dazu ein Schreiben, in dem ich auf die offene Kostenstelle eingehe, da ohne Bezifferung des eigentlichen Schadens und bestätige das Löschen des Bildes.

Ohne Anerkennung einer Rechtsverpflichtung weise ich daher einen Schadensersatz zurück und versichere keine weiteren Werke benutzt bzw. veröffentlicht zu haben.

Das zweite Schreiben der Bande bestätigt den Erhalt der Unterlassungserklärung (schickte ich natürlich via Einschreiben, man möchte ja sicher gehen) und fordert nun eine Auskunft. Hier wird gleich mit dem Weg über das Gericht gedroht um diese Auskunft Innanspruch zu nehmen. Es wird darauf hingewiesen, dass dort erheblich Kosten entstehen können. Da Mir nicht ganz Klar ist was für eine Auskunft gemeint ist, rufe ich an woraufhin ich gleich nach der Nutzungsdauer gefragt werde. Doch ich gebe kein Statement ab. Zudem erweitert das Bandenmitglied meine Frist um eine weitere Woche, also von zwei Wochen seit dem ersten Schreiben auf drei Wochen in allem. Mit was für Kosten muss ich rechnen, frage ich den Ganoven. Er meint, ich könne mich an dem Lizenzmodell orientieren, welches für Webseiten mit 50.000 Besuchern bei 50 Euro pro Monat anfängt und weiter hin nach oben gestaffelt ist.

Mittlerweile habe ich einen Freund von meinem Bruder gefunden, welche Jura studiert und dessen Elternteil eine Kanzlei besitzt. Ich melde mich seit dem Telefonat nicht mehr bei den Langfingern. Zur Strafe bekomme ich ein drittes Schreiben. Erstaunlicherweise ohne Gerichtstermin:

  • Wir haben nunmehr selbst ermittelt und können nachweisen, dass Sie zumindest seit <Datum> das Werk von <Künstler> durchgehend auf Ihrer Webseite eingestellt haben.

Sehr gut, dass sie das Nachweisen können und ich weiß, dass ich das Bild über ein halbes Jahr später publiziert hatte. Folglich wurde hier ein beliebiges Datum festgelegt, dass so was gemacht wird habe ich auch in einem Forum nachlesen können.

Der Schadensersatz:

In diesem dritten Schreiben ist nun der willkürliche Zeitraum von über 72 Monaten festgelegt. Hier wird wieder nahegelegt, dass der <Künstler> sehr bekannt ist und man üblicherweise das doppelte verlangt. Schön, da mache ich ja ein Schnäppchen. So sind das dann 72 x 50 Euro zusätzlich den 1,3 Prozent Anwaltskosten gute 4600 Euro welche ich innerhalb 7 Wochentagen zahlen soll.

Aber man will ja sicher gehen, dass der “Kunde” zahlt, also schreibt man nebst der möglichen Gerichtsvollziehung noch mit rein:

  • Die Mandantschaft wird sich dann auch die Geltendmachung weiterer Zeiträume (welche denn??) außer den von uns selbst nachgewiesenen vorbehalten und geltend machen.
  • Die Rechtsprechung sieht die Verdoppelung der Lizenzschäden als zusätzliches Schmerzgeld vor, wenn der Künstler bei unerlaubten Veröffentlichung nicht genannt wird. Dies ist hier der Fall.

Einen Tag vor dem Erhalte dieses Schreibens, hat die Rechtskanzlei meines Freundes sich meinen Fall angenommen und die Trickbetrüger darüber informiert. Somit hat meine Kanzlei das Schreiben zusätzlich erhalten, jedoch mit einem Vermerk wie: “Dass nun eine Kanzlei eingeschalten wird, sieht man nur zu dem Zweck die Frist verlängern zu können.”

Hier hat wiederum meine Kanzlei hartnäckig gegengehalten und pocht darauf, dass ein Kostenanspruch nicht nachvollziehbar ist und der Satz weit überhöht ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass wir nicht zahlen werden und uns vorbehalten Ihr Verhalten mir gegenüber einer Prüfung auf strafrechtliche und berufsrechtliche Relevanz unterziehen zu lassen.

Das ist jetzt zwei Monate her und seit dem habe ich nichts mehr von den Panzerknackern gehört.

Ich kann froh sein, so gehandelt zu haben und diesen Verlauf gehabt zu haben. Es ist bei zahlreichen Stunden Recherche, Überlegungen und einem knochentiefen Schock geblieben. Hätte ich die vorgefertigte Erklärung unterschrieben, wäre ich ausgenommen worden. Ich habe vorhin in den Nachrichten gehört, dass jemand wegen fahrlässiger Tötung eine Strafe von 3600 Euro zu zahlen hat. Hier kann man mal Vergleichen was hier für mein Vergehen verlangt wird.

Das wichtigste ist einfach nicht unterkriegen lassen, aber am besten derartige (als junger Mensch hochgeladen und vergessen) Bilder von seinem eigenen Webspace löschen.

2 thoughts on “Abmahnung und Abzocke in einem

  1. Dark

    Denke da hast du alles richtig gemacht. Meist versuchen die Abmahner ja möglichst geringe Fristen zu setzen damit sich der Abgemahnte ja keine professionelle Hilfe suchen kann. Denn dann würde man ja einen richtigen Rechtsstreit provozieren und man müsste bei der Sache ja unmengen von Briefen usw. schreiben. Da sich das nicht lohnt wird gleich die Einschüchterungstaktik versucht. Ich würde tippen daß du nichts mehr hörst.

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  2. Michael Post author

    Ja die Frist war ja nur auf 2 Wochen gesetzt. Vor allem müssten die Kläger dann auch die Beweise aufbringen, da die die Pflicht haben eine Rechtsverletzung zu bestätigen. Zudem gilt ja ein gewisser Umfang der Rechtsverletzung, und dieser ist in der Regel bei privaten Seiten so gering, dass sich ein Rechtsstreit nicht lohnt. Aber die unsicheren Leute welche Zahlen machen schnelles Geld für die Halsabschneider…

    Ich sollte eigentlich die Typen anzeigen, aber dann habe ich eben auch einen nicht geringen weiteren Aufwand denke ich mal…

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